Chicos Problem mit dem Menschen
Der Malinois-Rüde Chico gehört zu den extern untergebrachten Hunden im Rahmen des Projekts „schwierige Hunde“ und ist seit Mai 2024 bei der Hundetrainerin Sabine Kindler. Ziel der Unterbringung ist ein langfristig sicherer und harmonischer Umgang mit Menschen. Zu Beginn zeigte Chico ein extremes Erregungsverhalten: Die bloße Anwesenheit eines Menschen genügte, damit er ihn körperlich angriff und massiv Zähne zeigte. Konnte er den Menschen nicht erreichen, zeigte er intensives Droh- und Abwehrverhalten wie Knurren, Zähne fletschen und verbellen. Kooperation, Zuhören oder das Dulden von Berührungen waren unmöglich. Im Tierheim musste er wegen dieser Risikoeigenschaften sogar unter Narkose den Maulkorb angelegt bekommen. Zudem verteidigte er Ressourcen wie Futter oder Spielzeuge und attackierte den Annähernden.
Sichere Führung durch spezielle Rassen
Das Verhalten ist erlerntes Verhalten, kein Ausdruck grundsätzlicher Bösartigkeit. Chico ist rassebedingt hochintelligent und braucht klare Grenzen. In den ersten 2,5 Lebensjahren blieb jegliche Rahmensetzung aus. Vom Vorbesitzer ist bekannt, dass Chico bereits mit Eintritt in die Pubertät kontrollierendes Verhalten zeigte und die Menschen auch mit Zähnen einschränkte. Statt Führung erhielt er Ballspiele und ähnliche Ablenkungen, wodurch er lernte: Je mehr ich den Menschen bedränge, desto schneller komme ich ans Ziel. Dadurch entstanden gefährliche Muster, die nicht nur unerwünscht, sondern auch potenziell gefährlich sind.
Die größte Herausforderung bei der Umstrukturierung besteht darin, dem Hund nachhaltig alternatives Verhalten beizubringen. Verhaltensmuster, die sich über Jahre etabliert haben, zeigen sich auch heute noch in bestimmten Situationen. Deshalb kann ein vollständiger „Reset” nicht erfolgen. Bereits im Mai 2024 begann ein Prozess der Konfrontation mit alten Verhaltensweisen, der Entwicklung neuer Lösungswege und der neuen Erfahrungen. Diese drei Aspekte sind wesentlich: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbinden sich zu einem Lehrpfad, der es Chico ermöglichen soll, später selbstständig gewünschtes Verhalten zu zeigen – ohne permanente menschliche Anleitung. Gleichzeitig bleibt es wichtig, dass Chico eine Bezugsperson hat, die ihm Sicherheit gibt und Verantwortung übernimmt.
Ein Training für Chicos Zukunft
Chicos neuer Weg begann mit der Integration in eine bestehende Hundegruppe, die insgesamt unkompliziert verlief. Er setzte sich angemessen zur Wehr, wenn ihn ein anderer Hund bedrängte, akzeptierte aber auch Zurechtweisungen, wenn dieser wiederum zu aufdringlich wurde. Angesichts dieses Verhaltens war schnell klar, dass Chico sehr wohl dazu in der Lage ist, sich selbst zurückzunehmen, dies im Umgang mit dem Menschen für ihn aber nie erforderlich war.
Es folgte ein Maulkorbtraining, um Chico das Dulden von Berührungen und Einschränkungen am Kopf beizubringen. Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle war entscheidend, damit Berührungen nicht zu Verletzungen führen. Nach drei Wochen konnte der Maulkorb durch die Bezugsperson sicher an- und abgelegt werden.
Ende Juni stand der erste Kontakt mit Fremdpersonen in der Tierarztpraxis an. Chico präsentierte sich kontrolliert; die Tierärztin und Assistentin konnten sich im engen Raum bewegen, ohne dass seitens des Hundes unerwünschtes Verhalten gezeigt wurde. Lediglich beim Impfen zeigte er Abwehrverhalten, ließ sich aber durch Zurechtweisung leiten, sodass ein Verlassen der Praxis möglich war, ohne dass er seine Energie durch Attackieren eines Menschen herauslassen musste.
Weitere Trainings konzentrierten sich auf das Durchleben des Alltags: Regelmäßige Berührungen und Körperkontrollen, die teils als Wohltat empfunden werden. Die regelmäßige Übung führte dazu, dass Chico Fremdpersonen in seiner Nähe dulden konnte. Auch außerhalb des Hauses hat sich sein Verhalten erheblich verbessert: Spaziergänge erfolgen mittlerweile in belebten Umgebungen und in Gruppen, wobei er je nach Reizlage noch Unterstützung durch seine Bezugsperson benötigt, um ruhig zu bleiben.
Die Haltung im Rudel bietet ihm Lernchancen durch Beobachtung (wie andere Hunde gegenüber Menschen agieren) und Interaktion. Chico lässt sich auch von kleineren Hunden in Schranken weisen.
Ein Training für Chicos Zukunft
Verhaltensänderungen über Jahre hinweg zu verankern, ist kaum möglich. Ziel ist es, Chico Wege zu zeigen, wie er auf Reize angemessen reagiert, Reaktionen zu mildern und ihn durch Führung zu stabilisieren.
Eine Vermittlung ist daher nur sinnvoll, wenn eine verantwortungsbewusste Person mit Führungsfähigkeit bereitsteht, die das Potenzial und das Risikopotenzial des Hundes einschätzen kann.
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