Schmetterlinge – mit Farben gegen Feinde

Schmetterling
Schmetterlinge sind die Stars des Sommers

Mit fast 160.000 Arten bevölkern Schmetterlinge alle Kontinente dieser Welt – bis auf die Antarktis – und jedes Jahr werden im Schnitt 700 neue Arten entdeckt. Allein in Deutschland leben etwa 3.700 Schmetterlingsarten; zusammen mit rund 160 Tagfalter-Arten tummeln sie sich in unseren Gärten, auf Feldern, Wiesen oder im Wald. Doch der Verlust ihrer Lebensräume und der biologischen Vielfalt machen den zarten Geschöpfen schwer zu schaffen. Laut der aktuellen Roten Liste von 2025 sind über 50 Prozent der Arten rückläufig und 65 Arten bedroht.

Merkmale

Schmetterling blau
Knallige Farben signalisieren Fressfeinden: Vorsicht, giftig!

Schmetterlinge (lateinisch: Lepidoptera) gehören offiziell zu den Insekten und sind hier die wohl beliebteste Gruppe. Insbesondere die Tagfalter sind häufig wunderschön und auffällig gefärbt und haben immer keulenartige Fühler. Nachtfalter sind hingegen äußerlich unscheinbarer und haben feder- oder kammartige Fühler.

An den Flügeln lassen sich die verschiedenen Arten am besten bestimmen - aber wie kommt es überhaupt zu dieser eindrucksvollen Färbung der Tagfalter? Alle Schmetterlinge tragen laut WWF bis zu einer Million winzige, farbige Schuppen auf den Flügeln. Diese können schillern oder je nach Licht sogar scheinbar die Farbe wechseln. Der Effekt entsteht, da die Schuppen unterschiedliche Formen, Größen und Oberflächen haben. Die Farben sind jedoch nicht einfach nur schön anzusehen: Sie schützen die Falter vor Fressfeinden, die dadurch annehmen, dass sie ungenießbar sind.

Der größte Schmetterling heißt Atlasspinner und lebt in Südostasien. Seine Flügel können eine eindrucksvolle Spannweite von bis zu 30 cm erreichen. In Deutschland haben Schmetterlingsflügel etwa eine Spannweite von 10 cm.

Die Fühler sind eines der wichtigsten Sinnesorgane der Falter, sie dienen zum Schmecken, Riechen und sogar der Wahrnehmung der Temperatur. Manche Schmetterlinge haben Saugrüssel zur Nahrungsaufnahme von Nektar, andere besitzen beißende Mundwerkzeuge, die so genannten Mandiblen, mit denen sie Pollen zerkauen und zu sich nehmen können. Es gibt jedoch auch Schmetterlinge ohne Mundwerkzeuge.

Lebensraum und Nahrung

Schmetterling fliegt
Mit ihrem Saugrüssel holen sie sich frischen Nektar

Schmetterlinge leben überall dort, wo Pflanzen und Blumen wachsen: auf Wiesen und Feldern, in Gärten und Wäldern. Dabei gilt: Je abwechslungsreicher, desto besser! Sie ernähren sich von Blütennektar, den sie mit ihrem Saugrüssel aufsaugen.

Sie gehören zu den Bestäubern, denn wie z. B. Bienen und Hummeln transportieren sie bei ihrem Flug die Pollen von Blüte zu Blüte. Während sie Nektar trinken, bleiben die Pollen an ihrem Körper hängen und werden an der nächsten Blüte abgestreift. An heißen Sommertagen trinken sie oft auch Wasser aus kleinen Pfützen, damit ihr Körper genügend Flüssigkeit und Mineralstoffe aufnimmt.

Lebensweise und Fortpflanzung

Raupe
Im Raupenstadium brauchen Schmetterlinge viel Nahrung

Der Lebenszyklus eines Schmetterlings beginnt als kleines Ei, das von den Weibchen entweder einzeln, paarweise oder in Gruppen und meist direkt auf einer Futterpflanze abgelegt wird. Die Verwandlung vom Ei zur Raupe, danach zur Puppe und schließlich zum schönen Schmetterling wird Metamorphose genannt.

In der befruchteten Eizelle wächst ein kleiner Raupenembryo heran. Ist die Raupe groß genug, zerbeißt sie die Eihaut und beginnt sofort zu fressen – in diesem Stadium sind Brennnesseln sehr beliebt. Da die Raupenhaut nicht mitwächst, muss sich die Raupe - je nach Art - vier bis sechsmal häuten.

Bevor sie sich schließlich verpuppt, ist die Raupe wie im Buch nimmersatt, denn im Puppenstadium kann sie keinerlei Nahrung aufnehmen. Sie sucht sich nun ein vor Feinden geschütztes Plätzchen und beginnt sich zu verpuppen.

Die Kunst der Tarnung wird Mimikry genannt. Schmetterlinge sind darin wahre Meister - so sind manche Puppen beispielsweise nicht von einem im Wind schwingenden Blatt zu unterscheiden. Die phänomenale Verwandlung findet nun in der Puppe statt: Es bilden sich Flügel, Fühler, Mundwerkzeuge und Beine bis zu ihrer vollen Größe aus. An einer von der Natur perfekt vorgesehenen Sollbruchstelle reißt die Puppe auf und der Schmetterling kann hinauskrabbeln. Noch kann er nicht fliegen, denn seine Flügel sind zusammengefaltet. Bis zu zwei Stunden pumpt er Luft und Blut in die Flügel und lässt seine Haut aushärten, bis er sich schließlich zu seinem ersten Flug erheben kann.

Nach einiger Zeit beginnen die Schmetterlinge mit ihrem wundervoll anzusehenden Balztanz, paaren sich und der Kreislauf des Lebens beginnt erneut. Befruchtet werden die Eier übrigens erst bei der Eiablage. Bei manchen Arten kann sich das Schmetterlingsweibchen sogar ohne das Männchen selbst befruchten. Die meisten Schmetterlinge leben nur wenige Wochen, manche einige Monate. Nur wenige Arten überstehen den Winter, z. B. der Zitronenfalter.

Gefährdung und Gefahren

Gartenlampe
Solar-Gartenlampen ziehen Schmetterlinge an

Auch wenn für uns ein Sommer ohne Schmetterlinge kaum vorstellbar ist, stehen doch mittlerweile viele Arten auf der Roten Liste. Durch moderne Landwirtschaft und das Entwässern von Feuchtwiesen werden ihre natürlichen Lebensräume zerstört. Viele Schmetterlinge sind - ähnlich wie Wildbienen - an Offenlandlebensräume angepasst, sie finden in den Monokulturen der industriellen Landwirtschaft keine geeigneten Futterpflanzen mehr. Durch Überdüngung und Pestizideinsatz werden die Nahrungsangebote weiter dezimiert.

Eine große Gefahr für nachtaktive Falter ist darüber hinaus die zunehmende Anzahl an Lichtquellen der modernen Infrastruktur und in Siedlungsbereichen. Wie die meisten Insekten werden auch sie von Laternen, Leuchtreklamen und auch Solar-Gartenbeleuchtungen angezogen. Sie verirren sich, finden nicht mehr aus dem künstlichen Lebensraum hinaus und sterben schließlich vor Erschöpfung.

Jeder Einzelne kann helfen und geeignete Lebensräume für Schmetterlinge schaffen. Durch das Aussäen von Wildblumen-Samenmischungen, die gleichzeitig auch den Bienen helfen, können wieder geeignete Nahrungsquellen für Falter und andere Insekten wachsen. Wenn zusätzlich auf künstliche Beleuchtung zu Dekorationszwecken an Haus und Garten verzichtet wird, kann man allen Insekten dabei helfen, die Orientierung nicht zu verlieren.

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