Fuchs – vom Land in die Stadt

Fuchs
Rorbraunes Fell, weißer Hals und weiße Brut: der Rotfuchs

Wenn hierzulande vom Fuchs die Rede ist, ist immer der Rotfuchs gemeint, der in Mitteleuropa die einzig heimische Art ist. Von allen wildlebenden Raubtieren hat er das größte geografische Verbreitungsgebiet; er kommt in Europa, Asien und Nordamerika vor und kann sowohl nördlich des Polarkreises als auch in fast tropischen Gebieten leben.

In Deutschland gibt es heutzutage mehr Stadt- als Landfüchse, die gelernt haben, dass das Leben nah am Menschen in der Regel ungefährlich ist. Deswegen sind Stadtfüchse auch deutlich weniger scheu als Landfüchse und mitunter recht neugierig.

Merkmale

Fuchs
Der buschige Schwanz lässt den Fuchs größer wirken

Im Vergleich zum Rumpf hat der Rotfuchs (lateinisch: vulpes vulpes oder auch canis vulpes) verhältnismäßig kurze Beine. Erwachsene Tiere erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 50 Zentimetern, wobei Fähen etwas kleiner als Rüden sind. Die schmale Schnauze ist charakteristisch. die Ohren sind dreieckig und stehen aufrecht. Durch sein dichtes Fell und den buschigen Schwanz wirkt der schlanke Räuber viel schwerer und größer als er eigentlich ist. Das Fell ist orange- bis rotbraun, wobei Brust, Hals und Schwanzspitze weiß gefärbt sind. Die Rückseiten der Ohren und die Beine sind schwarz.

Seine Augen sind an die Dunkelheit angepasst, da der Fuchs vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv ist. Er kann außerdem binokular (beidäugig) sehen: Wenn der Mensch bereits nichts mehr von seiner Umgebung erkennen kann, ist der Fuchs weiterhin in der Lage, diese wahrzunehmen und auf die Jagd zu gehen.

Auch sein Gehör- und Geruchssinn funktionieren hervorragend. Durch das Drehen der Ohrmuscheln in fast alle Richtungen kann der Fuchs Geräusche genau lokalisieren. Er hört z. B. eine unter der Schneedecke davonhuschende Maus und kann sie mit einem präzisen Kopfsprung erlegen. Gleichzeitig kann er etwa 400 Mal besser riechen als der Mensch. Forscher gehen davon aus, dass der Geruchssinn der wichtigste und am besten ausgebildete Sinn bei Füchsen ist. Er kommt nicht nur bei der Nahrungssuche zum Einsatz, sondern hilft ihm auch bei der Orientierung, Feindvermeidung und Kommunikation mit Artgenossen.

Füchse haben ein großes Repertoire an unterschiedlichen Lauten, vom „Ranzbellen“ während der Paarungszeit über „Keckerlaute“ bei Auseinandersetzungen bis hin zu Winseln bei Unterwerfung und heiseren Schreien, die Jungtiere vor Gefahren warnen sollen. Wenn sich zwei Füchse begrüßen, sind leise kurze Laute zu vernehmen. Bei Bedrohungen beginnt der Fuchs zu knurren und nimmt eine kampfbereite Körperhaltung ein, etwa bei einem Streit um das Territorium oder ein Weibchen.

Lebensraum und Nahrung

Fuchs im Rohr
Füchse schlafen auch in verlassenen Rohren

Füchse kommen in praktisch jedem Gelände vor und sind bei der Wahl ihres Lebensraumes nicht besonders anspruchsvoll. Sie siedeln im Wald, auf Ackerland, an der Küste oder im Gebirge – und seit Ende des letzten Jahrhunderts auch zunehmend in Städten. Hier werden sie laut NABU nicht bejagt, es gibt ein breites Nahrungsspektrum und viele Möglichkeiten für Schlafplätze und Fuchsbauten. Während Füchse in der Natur gerne verlassene Dachs- oder Kaninchenbauten beziehen, die sie erweitern und ausbauen, nutzen sie in der Stadt auch Garagen, Gartenhäuser, Holzstapel, unbenutzte Rohre u.v.m. als Rückzugsmöglichkeiten.

Füchse sind Allesfresser und halten sich dort auf, wo sie ausreichend Nahrung finden. Dabei passen sie sich mühelos an das Angebot ihrer Umgebung an. Im Wald oder auf dem Land erbeuten sie vor allem kleine Säugetiere wie Mäuse, Reptilien, Regenwürmer, Insekten, Kleinvögel oder deren Eier erbeuten und verschmähen auch Aas, Früchte und Beeren nicht.  Om der Stadt suchen sie sich häufig Abfälle in Papierkörben, auf Schulhöfen oder an Imbissbuden oder sie stehlen Katzen- und Igelfutter.

Lebensweise und Fortpflanzung

Fuchswelpe
Ein Fuchswelpe erkundet die Welt

Unter Füchsen finden sich Einzelgänger, Paare und Familienverbände. Letztere bestehen aus dem dominanten Elternpaar, den Jungtieren vom Vorjahr sowie dem aktuellen Wurf. Sie leben in ihren Revieren – in fremden Revieren werden sie laut NABU mit Problemen wie Nahrungssuche, unbekanntem Terrain, fehlenden Bauten und Auseinandersetzungen mit Artgenossen konfrontiert.

Der Nachwuchs wird mit etwa zehn Monaten geschlechtsreif. Einmal pro Jahr während der so genannten Ranzzeit, ist die Fähe für zwei bis drei Tage im Januar oder Februar befruchtungsfähig. In dieser Zeit muss es dem Rüden gelingen, ihr Abwehrverhalten zu überwinden, damit eine Paarung und Befruchtung überhaupt möglich sind. War die Befruchtung tatsächlich erfolgreich, bringt die Fähe 49 bis 58 Tage nach der erfolgreichen Befruchtung drei bis sechs Junge zur Welt.

Die Welpen sind bei der Geburt blind, taub und graubraun behaart; sie verlassen die Höhle noch nicht. Die Augen öffnen sich nach etwa zwei Wochen, aber erst mit vier Wochen werden erste Erkundungsausflüge vor den Bau unternommen. Die Jungtiere haben nun das fuchstypische rötliche Fell, da bereits der erste Fellwechsel stattgefunden hat.

In den ersten Wochen verlässt das Weibchen nur selten den Bau und wird vom Männchen mit Nahrung versorgt. Es kommt zwar vor, dass eine Fähe ihren Wurf alleine großzieht, aber die Überlebenschancen der Jungtiere erhöhen sich deutlich durch die Betreuung beider Elterntiere. Mit vier Monaten sind junge Füchse bereits selbstständig. Im Herbst löst sich der Familienverband auf und die noch unerfahrenen Jungfüchse begeben sich auf Streifzüge, um ein eigenes Territorium zu finden.

Füchsen eilt der Ruf voraus, listig und hinterhältig zu sein. Das liegt vor allem an ihrer Darstellung in der Literatur, z. B. dem „Reineke Fuchs“ oder dem Fuchs in „Pinocchio“. Dabei sind sie tatsächlich sehr konfliktscheu, gehen Auseinandersetzungen mit Haustieren aus dem Weg und meiden Menschen weitgehend.

Gefährdung und Gefahren

Fuchs aggressiv
Aggressivität ist ein typisches Symptom für Tollwut

Deutschland gilt dank eines strikten Impf-Managements seit 2008 als tollwutfrei. Die Krankheit geht mit auffälligen Verhaltensänderungen, z. B. Aggressivität, fehlende Scheu oder Orientierungslosigkeit, einher und kann so auch für Menschen, die zu dem Tier Kontakt hatten, gefährlich werden.

Nach wie vor kann der Fuchs jedoch den Parasiten „Kleiner Fuchsbandwurm“ auf den Menschen übertragen, auch wenn dies hierzulande nur selten passiert. Im Schnitt stecken sich 30 Menschen pro Jahr an, hauptsächlich in Bayern und Baden-Württemberg. Allerdings können fünf bis 15 Jahre vergehen, ehe sich erste Symptome bemerkbar machen. Ein Erwachsener kann sich so beispielsweise als Kind beim Spielen im Wald angesteckt haben. Während der Fuchsbandwurm vor 30 Jahren noch als Todesurteil galt, kann man ihn heutzutage mit Medikamenten gut behandeln, wenn er rechtzeitig bemerkt wird.

Füchse sind und bleiben Wildtiere. Auch wenn sie in den Städten mittlerweile weniger scheu sind, sollte man bei einer Begegnung Abstand halten. denn die Rotröcke können durchaus angreifen, wenn sie sich bedroht fühlen. Die Tiere sollten auf keinen Fall gefüttert oder gestreichelt werden, damit sie sich nicht noch mehr an den Menschen und dessen Hilfe gewöhnen. Auch verletzte Tiere sollte man nicht berühren, sondern die Polizei oder den Tierschutz rufen.

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