Fledermäuse – faszinierende Nachtschwärmer
Den Anblick einer schlafenden Fledermaus kennt praktisch jeder. Typischerweise hängt sie mit dem Kopf nach unten an Decken, Wänden oder Bäumen und das nicht nur während ihres Tagschlafes, sondern auch monatelang im Winterschlaf. Dieser beginnt im November und nimmt etwa die Hälfte des Jahres ein; in der Zeit sind kaum Insekten, das einzige Nahrungsmittel von Fledermäusen, unterwegs. Tatsächlich schlafen Fledermäuse während dieser sechs Monate tief und fest - anders als z. B. Eichhörnchen, die eine Winterruhe halten.
Merkmale
Fledermäuse (lateinisch: Microchiroptera) in Deutschland sind selten größer als fünf Zentimeter; die Australische Gespensterfledermaus hat im Vergleich dazu eine Flügelspannweite von mehr als einem halben Meter.
Alle Arten haben spitze, oftmals sehr große Ohren, spitze Eckzähne und auf dem Rücken dunkleres Fell als auf der Bauchseite. Wie die meisten nachtaktiven Tiere haben sie keine auffälligen Äußerlichkeiten und auch die Geschlechter unterscheiden sich kaum. Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die den aktiven Flug beherrschen, und fliegen mit ihren Händen. Die Flughaut spannt sich von den verlängerten Fingerknochen bis zum Hals und zu den Hinterbeinen und sogar zum Schwanz. Die Handknochen einer Fledermaus unterscheiden sich dabei nur wenig von denen einer menschlichen Hand.
Fledermäuse nutzen ihre Flughaut beim Fliegen auch als Kescher und erbeuten so erheblich mehr Tiere, als wenn sie diese einzeln mit ihrem Maul schnappen würden.
Beim Schlafen hängen Fledermäuse mit ihrem Kopf nach unten. Diese Position ermöglicht ihnen bei Gefahr einen Blitzstart, weil sie sich einfach nur fallen lassen müssen und direkt losfliegen können. Die Krallen der Füße werden allein durch das Gewicht der Fledermaus gekrümmt, sie muss sich also nicht aktiv festhalten.
Lebensraum und Nahrung
Fledermäuse bevorzugen dunkle Lebensräume, man trifft sie z. B. in Höhlen, Stollen, Bunkern, Kirchtürmen oder Kellern. In Wohngebieten bewohnen sie laut BUND meist unbemerkt hinter Fensterläden oder Wandverkleidungen, in Dachstühlen, Nistkästen, Holzstößen oder Hohlräumen von Mauern. Auch alte Bäume mit Hohlräumen suchen sie auf. Wer weiß, dass Fledermäuse in der unmittelbaren Umgebung wohnen, muss bis zum Einbruch der Dämmerung warten. In der Dunkelheit jagen die Tiere Insekten, Spinnen oder Käfer.
In Deutschland lebende Arten ernähren sich ausschließlich von Insekten, deren Panzer sie mit ihren spitzen Eckzähnen aufbrechen. Auf dem amerikanischen Kontinent lebende Vampirfledermäuse, die sich vom Blut ihrer Beutetiere ernähren, nutzen ihre Eckzähne dementsprechend zum Blutsaugen.
Lebensweise
Fledermäuse haben das sensibelste Gehör in der Tierwelt. Durch ihre Fähigkeit zur Echoortung können sie sich in der Dunkelheit hervorragend und millimetergenau orientieren. Dabei stoßen sie für den Menschen nicht hörbare Ultraschallwellen aus, die als Reflexion von Objekten oder Tieren zurückgeworfen werden. So können sie nachts nicht nur Hindernisse orten, sondern sogar einzelne Arten von Insekten unterscheiden.
Im Winter suchen sie kühle, aber möglichst frostfreie Winterquartiere auf, z. B. Höhlen, Stollen oder Keller. Dort hängen sie kopfüber, oftmals eng in ihre Flughaut gewickelt, und fahren ihren Stoffwechsel auf ein Minimum herunter. Während ihr Herz sonst bis zu 800 mal pro Minute schlägt, beträgt die Herzfrequenz im Winterschlaf nur noch 18-80 Schläge pro Minute und auch die Atmung wird extrem verlangsamt. Sie senken ihre Körpertemperatur auf wenige Grad ab; sollte die Außentemperatur deutlich sinken, müssten sie andernfalls auf Kosten der Fettreserven die Körpertemperatur erhöhen. Während der Wintermonate verlieren Fledermäuse etwa 30 Prozent ihres Körpergewichts.
Werden die Tiere im Winterschlaf gestört und versehentlich geweckt, brauchen sie bis zu einer Stunde, um ihren Stoffwechsel wieder hochzufahren. Dabei verbrauchen sie unnötig viele Kalorien und das mühsam angefressene Fettpolster schmilzt. Fledermaushöhlen sind daher oftmals für Besucher im Winter gesperrt, um die kleinen Flugkünstler nicht zu stören. Wenn sie zu oft aufwachen und ihre Reserven dabei unnötig verbrauchen, können diese u. U. nicht bis zum Frühjahr ausreichen und die Tiere sterben.
Fortpflanzung
Im Frühjahr machen sich Fledermäuse, geweckt von den ersten warmen Sonnenstrahlen, direkt auf Futtersuche. Außerdem beziehen sie ihre Sommerquartiere, wo die Weibchen direkt trächtig werden. Die Paarung hat bereits vor dem Winterschlaf stattgefunden und die Spermien überdauern im Geschlechtstrakt des Weibchens mehrere Monate, bis die Temperaturen wieder wärmer werden und es bei dem Weibchen zum Eisprung und zur anschließenden Befruchtung kommt.
Die Weibchen schließen sich zu Gruppen zusammen, die man „Wochenstuben“ nennt; sie gebären dort nach etwa 50 Tagen Tragzeit ihre Jungtiere (jeweils meist nur eins) und ziehen diese gemeinsam auf. Bei kleinen Fledermausarten wiegen die Babys nur zwei Gramm – umso unvorstellbarer ist es, dass sie nach vier bis fünf Wochen Säugezeit bereits selbstständig damit anfangen Insekten zu jagen. Die Männchen verbringen diese Zeit als Einzelgänger oder in kleinen Gruppen zusammen mit anderen Männchen. Nur sehr selten trifft man sie in Wochenstuben zusammen mit dem Nachwuchs und den Weibchen an.
Wenn die Jungen Mitte September aus den Wochenstuben ausziehen, beschäftigen sich die Eltern direkt mit der Produktion des nächsten Nachwuchses. Die Männchen warten in ihren Balzquartieren und locken die Weibchen mit typischen Balzrufen zu sich in ihre Baumhöhlen, um sich mit ihnen zu paaren. Neben der Paarung sind die Fledermäuse nun hauptsächlich damit beschäftigt, so viel möglich zu jagen, um sich die für den Winterschlaf nötige Fettschicht anzufressen. Im November machen sie sich wieder auf zu ihren Winterquartieren.
Gefährdung und Gefahren
Die niedrige Wurfzahl mit nur einem Jungtier machen Fledermäuse mit ihrem hohen Durchschnittsalter von 20 Jahren und mehr wett. Leider sterben sie meist nicht eines natürlichen Todes oder an Altersschwäche, sondern fallen in vielen Fällen ihrer größten Bedrohung zum Opfer: dem Menschen!
Der Einsatz von Insektiziden und Pflanzenschutzmitteln in der industriellen Landwirtschaft zerstört den Lebensraum vieler Insekten und somit die Nahrungsquelle der Fledermäuse. Durch den Verlust alter Bausubstanz werden außerdem ihre Lebensräume systematisch zerstört. Damit Häuser und andere Bauwerke, z. B. Kirchen oder Fabriken, weniger Energie verbrauchen, werden Bau- und Sanierungsarbeiten zur besseren Dämmung vorgenommen.
Eine weitere Gefahrenquelle sind Windkraftanlagen. Die Rotorblätter von Windrädern drehen sich so schnell, dass sie von Fledermäusen nicht rechtzeitig geortet werden können. Der Druckabfall hinter den Rotorblättern kann die Lungen und inneren Organe der Tiere zum Platzen bringen, das sogenannte „Barotrauma“. Laut dem Deutschen Naturschutzbund fallen in Deutschland jährlich etwa 200.000 Fledermäuse Windkraftanlagen zum Opfer.
Jeder einzelne kann zur Rettung der Fledermäuse beitragen. Durch den Klimawandel mit immer heißeren Sommern werden Gebäude stark aufgeheizt; unter Dachziegeln oder -stühlen kann es schnell über 60 Grad werden. Wenn Sie eine heruntergefallene Fledermaus finden, bringen Sie sie bitte an einen kühleren und vor Katzen geschützten Ort. Bitte fassen Sie die Tiere nicht mit bloßen Händen an, da sie wie alle Wildtiere Krankheiten übertragen können.
Sollten Sie alte Baumbestände auf Ihrem Grundstück haben, fällen Sie diese bitte nicht und schneiden Sie sie auch nicht zu stark zurück. Alte Bäume gehören zu den wichtigsten Lebensräumen von Fledermäusen, dort können auch die gefährlichen Hitzefallen nicht entstehen, da sie rechtzeitig auf schattigere und somit kühlere Möglichkeiten ausweichen können.