Fischotter – niemals nasser Schwimmer
Der Eurasische Fischotter gehört zu den geschicktesten Schwimmern und Tauchern unter den Landraubtieren und kommt in fast ganz Europa vor. Er jagt auf und unter Wasser und ist sowohl körperlich als auch in seinen Fähigkeiten hervorragend daran angepasst. So ist seine Haut immer warm und trocken - das ist umso verblüffender, da seine Tauchgänge mitunter bis zu acht Minuten andauern und er in Tiefen bis zu 18 Metern vordringt.
Merkmale
Der Eurasische Fischotter (lateinisch: Lutra lutra) ist eine von weltweit 13 Otterarten. Nach dem Dachs ist er der zweitschwerste Marder, der vier bis 12 Kilogramm wiegt und inklusive Schwanz etwa 130 Zentimeter misst. Unter allen heimischen Wildtieren hat er das dichteste Fell: Bis zu 70.000 Haare befinden sich auf einem einzelnen Quadratzentimeter Haut – der Mensch hat im Vergleich dazu durchschnittlich nur etwa 200 Haare auf der gleichen Fläche.
Mit diesem dichten Pelz ist der Fischotter gegen Wasser und Kälte bestens geschützt; für die nötige Isolation sorgen dabei die miteinander verzahnten Haare, die kleine wasserabweisende Luftpolster bilden. Dadurch bleibt die Haut des Otters selbst unter Wasser warm und trocken. Ein solch dichtes Fell bedarf guter Pflege und so ist der Otter über zehn Prozent seiner Wachzeit damit beschäftigt sich zu putzen.
Fischotter haben eine muskulöse, stromlinienförmige Statur mit dunkelbrauner Oberseite und einem flachen, breiten Kopf. Etwa ein Drittel der Körperlänge misst allein ihr kräftiger Schwanz, den sie im Wasser zum Steuern nutzen. Ihre exzellenten Schwimm- und Tauchkünste verdanken sie u. a. den Schwimmhäuten an den Pfoten, ihre Ohren- und Nasenöffnungen können sie verschließen. Außerdem können sie selbst im trüben Wasser ihre Beute mit Hilfe der stark ausgeprägten Tasthaare (Vibrissen) ausmachen.
Ein breites Repertoire an Lautäußerungen zur Kommunikation mit Artgenossen steht ihnen zur Verfügung. Wenn Fischotter z. B. wütend sind oder sich bedroht fühlen, fauchen oder kreischen sie lautstark. Während der Paarungszeit ist der Lockruf des Männchens ein helles Pfeifen. Jungtiere geben meist ein leises Fiepen von sich. Mit ihrem ausgezeichneten Geruchs-, Seh- und Gehörsinn entgeht den Tieren nahezu nichts in ihrem Umfeld.
Lebensraum und Nahrung
Ursprünglich war der Eurasische Fischotter in ganz Europa zuhause. Infolge intensiver Bejagung klafft heute laut BUND Naturschutz „eine riesige Lücke in den europäischen Ottervorkommen“. So gibt es heute eine westliche Population in Portugal, Spanien und Westfrankreich und eine östliche Population, zu der neben Tschechien und Österreich auch Deutschland gehört. Hier ist er hauptsächlich in der Nähe von stehenden und fließenden Gewässern anzutreffen, u. a. fisch- und strukturreiche Flüsse, Bäche, Seen, Sümpfe und Meeresufer.
In puncto Nahrung sind Fischotter nicht wählerisch. Ganz oben auf ihrem Speiseplan steht Fisch aller Art, sie vertilgen aber auch – je nach Saison – Amphibien, kleine Wasservögel und Säugetiere, Krebse oder auch Schnecken und Insekten. Während sie kleine Beutetiere sofort fressen, schwimmen sie für größere an Land.
Lebensweise und Fortpflanzung
Fischotter sind in der Regel dämmerungs- und nachtaktiv und verbringen den Tag in ihren Bauten am Ufer. Entweder ziehen sie sich in selbstgegrabene Höhlen zurück oder suchen Fuchs- oder Dachsbauten in Ufernähe auf. Sobald es dämmert, machen sie sich in ihren Streifgebiete, die mehrere Kilometer umfassen, auf Nahrungssuche.
Die Paarungszeit liegt hierzulande zwischen Februar und März, denn das Nahrungsangebot ist im Frühjahr am größten. Außerhalb der Ranzzeit leben Fischotter als Einzelgänger. Weibchen tragen etwa zwei Monate und bringen dann in einer gut versteckten Höhle bis zu fünf Jungtiere auf die Welt. Die Säugezeit beträgt rund drei Monate, wobei die Jungtiere ihrer Mutter bereits mit etwa sechs Wochen ins Wasser folgen. Das erste Jahr bleibt der Nachwuchs bei der Mutter, um von ihr alle wichtigen Jagdtechniken zu erlernen. Danach beginnen sie eigene Streifgebiete zu erkunden, mit etwa zwei Jahren werden sie geschlechtsreif.
Gefährdung und Gefahren
Wegen seines einzigartigen Pelzes wurde der Fischotter bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts so stark bejagt, dass er fast vor der Ausrottung stand. Nach wie vor gehört er zu den am stärksten bedrohten Säugetierarten Mitteleuropas, in Deutschland steht auf der Roten Liste.
Der Straßenverkehr gilt, wie für andere Wildtiere auch, heute als eine der größten Bedrohungen. Fischotter haben die Eigenart, dass sie nicht gerne unter Brücken hindurchschwimmen, stattdessen nehmen sie lieber einen weiten - oft tödlichen - Umweg über die Straße in Kauf nehmen. Warum sie als geschickte Schwimmer dies tun, können sich Biologen bis heute nicht erklären.
In Deutschland gibt es kaum natürliche Feinde für einen erwachsenen Fischotter, Jungtiere können aber durchaus Luchsen, Seeadlern, freilaufenden Hunden und auch Wölfen zum Opfer fallen. Der gefährlichste Feind ist somit der Mensch selbst. Die systematische Zerstörung ihres Lebensraumes, die Verschmutzung der Gewässer und die immer knapper werdende Nahrung gehören zu den Hauptursachen für den Tod unzähliger Wasserakrobaten.