Der Trend zum Zweithund

Hunde sind Rudeltiere. Im Laufe der Domestikation haben sie den Menschen als ihren Sozialpartner, als ihr „Rudel“ und ihre Familie, anerkannt. Im Rudel herrscht eine klare Rangordnung, doch Ihr Hund wird Ihnen gerne die Führung des Rudels überlassen, solange Sie sich – in den Augen des Hundes – der Führung würdig erweisen.

Zu einem glücklichen, gut sozialisierten Hund gehört jedoch trotzdem der Kontakt zu Artgenossen, mit denen er kommunizieren, spielen und rennen kann. Sollten Sie einen Einzelhund halten, achten Sie bitte darauf, dass er ausreichenden Kontakt zu anderen Hunden hat.

So sehr Sie sich auch um ihren Hund kümmern, so ganz können Sie ihm seine Artgenossen nicht ersetzen. Der Hund hat im Laufe der Jahre gelernt, die Zeichen, Laute und Mimik des Menschen zu deuten. Mit seinen Artgenossen spricht er jedoch „die gleiche Sprache“ und hat gleichgelagerte Interessen.

Das ist der Grund, warum sich viele Menschen einen Zweithund anschaffen. Die Entscheidung eines weiteren Hundes im Haushalt sollte jedoch nicht leichtfertig getroffen werden, denn es macht für Mensch und vor allem Tier einen großen Unterschied, ob eine oder zwei Fellnasen mit im Haus wohnen. Ein Hund, der zunächst alleine in einer Familie gelebt hat, muss sich auf eine neue Situation, ein neues Rudelmitglied und eine andere Rudeldynamik einstellen. Und trotz der weitverbreiteten Meinung, ein zweiter Hund bedeutet nicht viel mehr Aufwand für den Halter, sollte man sich vor der Anschaffung doch über einiges klar werden.

Vorüberlegungen

Die Bedürfnisse des Ersthundes

An erster Stelle müssen Sie die Wünsche, Bedürfnisse und Eigenarten Ihres Ersthundes berücksichtigen. Haben Sie einen besonders ängstlichen Hund, würden Sie ihm mit einem dominanten Zweithund sicherlich keinen Gefallen tun. Auf der anderen Seite könnte ein netter aber selbstbewusster Artgenosse Ihren Ersthund unterstützen und ihm helfen, Ängste abzubauen. Auch bei aggressiven Hunden muss, zum Wohl des Zweithundes, genauestens geprüft werden, ob es zu verantworten ist, einen Zweithund hinzu zu nehmen.

Ob Sie letztlich eine Hündin zu einem Rüden oder einen großen zu einem kleinen Hund nehmen, ist Ihren Vorlieben überlassen. Entscheidend ist, dass die Chemie zwischen den beiden Hunden stimmt. Es kann von Vorteil sein, wenn sich die Hunde von Rasse oder Körperbau ähneln. Schließlich müssen Sie mit beiden spazieren gehen. Wenn Sie bereits einen großen, lauffreudigen Hund haben und mit ihm gerne Fahrrad fahren, dann wird ein Mops diesem Hobby nicht gerne folgen.

Höhere Haltungskosten

Bedenken Sie die Verdoppelung der Futter-, Zubehör- und Tierarztkosten. In manchen Städten geht sogar die Hundesteuer mit der Anzahl der im Haushalt gemeldeten Hunde überproportional hoch. Wie die Hundesteuer in Ihrer Kommune gestaffelt ist, können Sie hier nachlesen:

Hundesteuer in der StädteRegion

Erziehung

Hört Ihr Ersthund schon nicht sehr gut auf Ihre Kommandos, kann sich dieses Verhalten durch einen Zweithund verstärken. Kommt Ihr Hund beispielsweise bei einem Spaziergang trotz Ihres Rufens nicht zu Ihnen zurück, wird er mit der Ablenkung durch einen neuen Kumpel sicherlich erst recht nicht auf Sie achten. Zwei Hunde entwickeln eine Eigendynamik, die die anstrengend sein kann.

Auf Sie kommt zudem doppelte Erziehungsarbeit, Hundeschule oder vielleicht auch Hundesport zu. Grade zu Beginn muss man damit rechnen, für die individuelle Erziehung mit beiden Hunden einzelne Spaziergänge unternehmen zu müssen. Doch auch hier kann man doppelt Freude gewinnen, wenn man z.B. mit der ganzen Familie oder dem Partner und beiden Hunden an Kursen teilnimmt.

Rangordnung

Die Rangordnung des neuen Rudels wird auch neu definiert. Der Ersthund ist nicht automatisch „der Chef". Bei mehreren Hunden ist es besonders wichtig, dass Sie die Rolle des Rudelführers übernehmen. Denn Sie müssen darauf achten, dass keines der Tiere unterdrückt wird. Es kann zum Beispiel zu Futterneid kommen. Bei einem ausgeprägten Geltungsbedürfnis eines der Hunde sollte darauf geachtet werden, dem ranghöheren Tier als ersten einen Kauknochen, ein Leckerchen oder ein Spielzeug auszuhändigen.

Großer Altersunterschied

Oft gibt es die Überlegung, dem in die Jahre gekommenen Lebensgefährten noch einmal einen Jungspund an die Seite zu setzen. Viele erhoffen sich eine Ansteckung der Lebensfreude und des Elans. Doch nicht jeder alte Hund ist glücklich mit einem quirligen Welpen. Viele empfinden Stress, obwohl sie grade im Alter mehr Ruhe bräuchten. Nicht nur die neue Rudeldynamik kann die graue Schnauze belasten, viele erfahrene Hunde fühlen sich in der Verantwortung, den jungen zu erziehen. Vor allem dann, wenn der Mensch keine starke Rudelführung übernimmt. Auch sollte man einen älteren Hund, der zeitlebens alleine im Haushalt war, nicht mit dieser neuen Situation konfrontieren.

Vorteile

Kein Alleinsein

Wenn Sie zur Arbeit oder abends ins Kino gehen, ist Ihr Hund nicht alleine. Er hat ein Rudelmitglied bei sich. Hunde passen aufeinander auf und beschäftigen sich miteinander. Und Sie brauchen kein allzu schlechtes Gewissen haben, wenn Sie einmal nicht ganz so viel Zeit mit Ihren Hunden verbringen können. Ein zweiter Hund ersetzt jedoch keinesfalls gänzlich die Beschäftigung mit ihnen. Das gemeinsame Sozialverhalten der Hunde ersetzt nicht den Kontakt zu Herrchen und Frauchen und ein gemeinsames Spiel im Garten ersetzt auch nicht den regelmäßigen Spaziergang.

Das Sozialverhalten beobachten

Die Hunde dabei zu beobachten, wie sie miteinander spielen, kommunizieren oder aufeinander aufpassen, ist für einen Hundeliebhaber eine wahre Freude. Sie werden bald sehen, dass sich die Rangordnung innerhalb des Rudels neu formiert. Ist sie geklärt, werden Sie sich wundern, was für interessante Regeln es gibt. Die Dynamik der Hunde untereinander im Alltag zu erkunden, kann helfen, die eigenen Haustiere besser zu verstehen und die eigene Kommunikation mit den Tieren zu verbessern.

Spielen

Auch oder gerade mit zwei Hunden kann man wunderbar spielen. Ein Hund, der sonst nicht allzu viel Spaß am Spielen hatte, wird sich vielleicht durch einen Artgenossen zum Mitspielen auffordern lassen. Auch hier müssen jedoch Zankereien um ein Spielzeug oder wegen Eifersucht vom Menschen unterbunden werden.

Liebe wird verdoppelt

Auch wenn zwei Hunde oder mehr vorhanden sind, werden Sie immer noch das Ein und Alles für Ihre Tiere sein. Sie brauchen keine Angst zu haben, dass Sie plötzlich bei Ihren Hunden abgeschrieben sind. Im Gegenteil: Wahrscheinlich wird es abends auf der Couch nur umso enger sein, da beide versuchen werden, möglichst nah bei Ihnen zu sein.

Empfehlung

Sollten Sie einen passenden Zweithund im Tierheim gefunden haben, so gönnen Sie sich, Ihrem Ersthund und Ihrem potenziellen Familienzuwachs eine ausreichende Kennenlernphase!

Kommen Sie mit Ihrem Ersthund zum Tierheim und machen Sie mindestens 3 Probespaziergänge. Das fachkundige Pflegepersonal wird Sie dabei unterstützen und Sie professionell beraten, ob die Hunde zusammen passen oder nicht.

Nach Absprache kann für ein paar Stunden ein Pflegevertrag abgeschlossen werden, sodass Sie auch in den eigenen vier Wänden austesten können, ob die Chemie zwischen den Hunden stimmt. Oder vielleicht ist sogar eine Katze mit im Hause und Sie möchten schauen, wie der neue Hund auf die Katze reagiert oder sogar umgekehrt, was sagt die Katze zu noch einem Hund?

Im Vordergrund sollte immer stehen, dass es allen Vierbeinern mit der Entscheidung zu einem neuen Mitbewohner gut geht!

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