Dachs – unbemerkt durch die Nacht
In Fabeln und Märchen ist er der Meister Grimbart, ein weiser und ruhiger Zeitgenosse sowie oft der Gegenspieler des listigen Fuchses. Die Bezeichnung „Grim“ steht für Maske oder Helm und damit für die Zorro-Maske, die der Dachs durch seine auffällige Farbgebung im Gesicht trägt. Mit einem Körpergewicht von sieben bis 20 Kilogramm ist er der größte Marder in Deutschland. Sein Körperbau lässt ihn dabei etwas plump erscheinen, jedoch sollte man seine Wehrhaftigkeit und Wendigkeit keinesfalls unterschätzen.
Merkmale
Der Dachs besitzt einen kompakten, gedrungenen Körperbau mit einem schlanken Kopf, einer langen Schnauze und starken Grabpfoten. An den Vorderpfoten hat er lange Krallen, die nach unten gebogen sind. Männchen und Weibchen unterscheiden sich nicht durch die Fellzeichnung, die Männchen sind jedoch schwerer und massiger mit einem breiten und runden Schädel.
Insgesamt wirkt der Kopf – im Gegensatz zum gedrungenen Körper – eher gestreckt. Mit der rüsselartigen Schnauze spürt der Dachs Nahrung auf und kann diese direkt aus der Erde heraus fressen. Auf dem Schädelknochen sitzt ein bis zu 16 Zentimeter langer Scheitelkamm, der mit zunehmendem Alter weiterwächst. Daran sind die kräftigen Beißmuskeln angesetzt. Bei besonders kräftigen Männchen kann der Durchmesser der starken Halsmuskeln den des Schädels übertreffen.
Die Felloberseite weist eine silbrig-graue Färbung auf, mit bis zu zwölf Zentimeter langen gelblichen Grannenhaaren. Die Behaarung der Unterseite und Beine ist schwarz und deutlich kürzer. Am Bauch selbst hat der Dachs nur wenig Fell. Charakteristisch ist seine Gesichtsmaske: Während Kopf und Hals weiß sind, verlaufen oberhalb der beiden Mundwinkel zwei breiter werdende schwarze Streifen über die Augen und Ohren hinweg bis zum Nacken. Am Rand sind die Ohren zusätzlich weiß gefärbt.
Lebensraum und Nahrung
Dachse sind in vielen Regionen Deutschland zuhause und leben hier vor allem in Laub- und Mischwäldern. Da sie metertiefe Höhlen graben, ist für sie der Boden besonders wichtig. Felsiger Untergrund, lockerer Sand oder zu nasse Regionen sind deshalb ungeeignet; sie siedeln sich dort an, wo der Boden trocken und fest ist und genügend Nahrung bietet.
Das Nahrungsangebot für Dachse ist breit gefächert und beinhaltet tierische und pflanzliche Quellen. Im Frühjahr machen Regenwürmer die Hälfte der Nahrung aus, im Sommer und Herbst – wenn die Böden trockener werden – weichen sie z. B. auf Insektenlarven von Mai- oder Mistkäfern, Nachtfalter und Schnecken aus. Zudem erbeuten sie kleinere Säugetiere wie Wühlmäuse und seltener Maulwürfe oder Wildkaninchen; Vögel und deren Gelege stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Je nachdem, wo sie leben, werden sogar Amphibien, Reptilien und Fische gefressen. Auch vor Aas machen sie nicht halt. Zudem verzehren Dachse Mais, Getreide und Feldfrüchte aller Art, sowie Obst, Beeren, Wurzeln, Eicheln und Knollen.
Lebensweise und Fortpflanzung
Ähnlich wie Wölfe leben auch Dachse in einem Familienverband, der aus dem Elternpaar, dem aktuellen Wurf und den Jungtieren des Vorjahres besteht. Den Winter verschlafen die Tiere größtenteils: sie halten Winterruhe und fahren dabei ihren Stoffwechsel stark herunter. Die Schlafphasen werden ab und zu durch kurzes Aufwachen unterbrochen.
Zwischen Januar und März kommt der Nachwuchs während oder zum Ende der Winterruhe zur Welt. Dies ist durch die sogenannte Keimruhe möglich: Dabei ruhen die befruchteten Eizellen bis zum Anfang des Winters in der Gebärmutter und beginnen sich erst dann zu entwickeln. Die Mutter bringt in ihrem Erdbau zwei bis vier Jungtiere zur Welt, hier verbringt der Nachwuchs seine ersten Lebenswochen. Die Mutter verlässt den Bau nur selten oder – wenn es sehr kalt ist - gar nicht.
Mit etwa zwei Monaten verlassen die Jungen zum ersten Mal den Bau und erkunden die Umgebung. Dachse können sich nur wenige Wochen nach der Geburt ihres Nachwuchses erneut paaren, in der Regel findet die Hauptpaarungszeit jedoch im Sommer statt. Die befruchteten Eizellen überdauern erneut bis zum nächsten Winter befruchtet in der Gebärmutter.
Gefährdung und Gefahren
Straßenverkehr und die Intensivierung der Landwirtschaft zählen – wie für viele andere Wildtieren auch - zu den größten Bedrohungen für Dachse. Die riesigen Monokulturen der industriellen Landwirtschaft bieten weder Lebensraum noch eine vielfältige Nahrungsgrundlage für die Tiere. Viele Dachse verlieren zudem ihr Leben im Straßen- und Schienenverkehr. Besonders häufig kommt es zu Kollisionen in Baustellenbereichen von Autobahnen, in denen Betonleitwände die Fahrspuren begrenzen. Hier haben die Dachse keinerlei Fluchtmöglichkeiten.
In Deutschland unterliegen Dachse dem Jagdrecht, glücklicherweise ist die Jagd auf die Tiere jedoch stark zurückgegangen. Der NABU plädiert für eine komplette Abschaffung der Dachsjagd. Leider werden ihre Haare bis heute für Rasierpinsel verwendet. Diese kommen jedoch häufig aus dem asiatischen Raum.