Alles über Ratten als Haustiere
Ratten besitzen in der Gesellschaft immer noch ein schlechtes Image. Sie gelten als schmutzige Krankheitsüberträger, wo es dreckig ist, leben Ratten. Daher ist die Haltung von Farbratten als Haustiere immer noch verpönt. Dabei sind sie sehr soziale, saubere und schlaue Geschöpfe. Doch gerade wegen ihrer hohen Intelligenz ist ihre Haltung nicht zu unterschätzen.
Wichtige Fragen vor der Anschaffung
- Ratten werden nur ganz zahm, wenn Sie sich täglich mit ihnen beschäftigen – haben Sie soviel Zeit?
- Ratten sind kein Kinderspielzeug. Sind alle Familienmitglieder mit dem neuen Hausgenossen einverstanden?
- Wohin mit den Ratten im Urlaub?
- Die Ratten möchten einen sauberen Käfig und täglich frisches Futter und Wasser – können Sie das gewährleisten?
- Haben Sie evtl. andere Haustiere, die den Ratten gefährlich werden können, oder denen die Ratten gefährlich werden wie z.B. Vögel oder Fische? (zahme Ratten brauchen Auslauf)
- Nahezu jedes Haustier wird irgendwann einmal krank, sind sie bereit die hohen Tierarztkosten zu zahlen, auch wenn sie den geldlichen „Wert“ oder Anschaffungswert der Tiere bei weitem übersteigen?
- Ratten zerlegen bei ihrem Auslauf evtl. Ihre Couch, Ihre Zimmerpflanzen, Ihre Lieblinsbücher, die Fernsehzeitung, reißen Ihre Tapeten von den Wänden, zernagen Kabel oder fressen Ihr Lieblingsshirt. Sind Sie bereit dazu?
Geschichte
Die Vorfahren unserer Heimtierratten stammen aus dem Ural und wanderten vermutlich auf Handelsschiffen und zusammen mit siedelnden Menschen vor über 200 Jahren auch nach Deutschland ein. Da sie Vorratsschädlinge sind, versuchten die Menschen sie natürlich aus ihren Kornkammern zu vertreiben und es wurden früh Fangprämien ausgesetzt. Schon bald erkannte man, dass die gefangenen und gezähmten Wanderratten ruhiger und leicht zu halten sind und sich damit leider sehr gut für die Forschung eignen. Sie wurden in der Folge im großen Stil für die Versuchslabore gezüchtet. Es stimmt nicht, dass die Tiere gezielt Gene eingezüchtet bekamen, die Krebs auslösen. Tatsache ist schlicht, dass viele Nager (auch Mäuse, Hamster und Meerschweinchen) im Alter Krebs bekommen.
Daten
Farbratten werden durchschnittlich 2 bis 3 Jahre alt und erreichen eine Größe von etwa 22 -26 cm Länge (ohne Schwanz). Dieser misst zusätzlich etwa 18 – 22 cm. Weibchen wiegen meist zwischen 200 und 400 g, Böcke meist zwischen 250 und 650 g.
Ratten leben normalerweise in großen Gruppen/Rudeln zusammen. Deshalb sollten auch in der Heimtierhaltung immer mehrere Tiere zusammen gehalten werden (mind. 3 Ratten). Da Ratten fremde Ratten nicht ohne Weiteres in ihrem Rudel dulden, sind Regeln bei der Rudelzusammenstellung und bei der Vergesellschaftung einzuhalten. Informieren Sie sich bitte unbedingt bei einem Spezialisten bevor Sie Ratten zusammenführen.
Ratten werden im Alter von nur fünf bis sechs Wochen geschlechtsreif. Sie sollten daher nach vier bis fünf Wochen nach Geschlechtern getrennt werden. Bei Rattenböcken sind die Hoden sehr gut zu erkennen. Bei Weibchen ist der Abstand zwischen Geschlechts und Afteröffnung geringer als bei Böcken, außerdem sind die Zitzen zu erkennen.
Das Heim für Ratten
Meist wird ein Käfig mit den Mindestmaßen B 50 x L 80 x H 80 cm mit Etagen für zwei bis drei Ratten als ausreichend empfohlen. Aber diese Empfehlung geht eher auf die Mindestmaße der Käfige die im Handel leicht zu bekommen zurück, nicht auf das, was Ratten wirklich brauchen. Das Mindestmaß ist nicht gleich das optimale Maß! Ratten wollen sich viel bewegen, das können sie in so einem Käfig aber nicht.
Empfohlen wird für die Rattenhaltung eine große Voliere. Es ist notwendig, bei einer Höhe über 80 cm durchgehende Zwischenböden einzubauen, damit die Ratten nicht zu tief fallen können. Versetzt angebrachte Etagen reichen ebenfalls aus, die Tiere sollten nicht tiefer als 50 cm fallen können. Gerade bei Rangstreitigkeiten oder der Vergesellschaftung können Ratten sonst sehr unglücklich fallen und sich verletzen. Eine Grundfläche von 0,5 m² sollte mindestens vorhanden sein, damit die Tiere auch im Gehege ein wenig laufen können. Auch hier wäre größer auf jeden Fall besser.
Ratten klettern gern und wollen alles überblicken, darum sollte der Käfig nicht nur eine große Bodenfläche zum Laufen, sondern auch eine entsprechende Höhe zum Klettern haben. Ratten halten sich gern auf den oberen Etagen des Rattenkäfigs auf, weshalb Rattenkäfige immer mehrere Etagen aufweisen sollten. Wichtig ist beim Kauf auf einen Gitterabstand von höchstens 1- 1,5 cm zu achten, damit auch Jungtiere nicht ungewollt auf „Erkundungstour“ gehen können.
Ein altes Bücherregal oder einen alten Schrank kann man gut zu einem Rattenheim umbauen. Wichtig ist beim Bau darauf zu achten, dass die Türen aus Draht bestehen, damit sich die Luft nicht stauen kann. Das Holz kann mit einem speziellen schadstoffarmen „Sabberlack” / Spielzeuglack bestrichen oder besprüht werden. Dieser Lack kann ohne Gefahr angeknabbert werden und das Holz ist leicht zu reinigen.
Es sollte auch einen zweiten Käfig geben (wenn auch kleiner), damit beispielsweise kranke Tiere dort vorübergehend gesund werden können. Wichtig ist auch, dass für jedes Tier ein eigener Schlafplatz, also ein Häuschen vorhanden ist.
Der richtige Standort
Da Ratten empfindlich auf Zugluft und Kälte reagieren, sollte der Käfig weder draußen im Schuppen noch auf dem Balkon stehen. Auch direkte Sonneneinstrahlung ist zu vermeiden. Günstig steht der Käfig so, dass die Tiere es hell haben, aber auch die Möglichkeit sich an schattigen Plätzen zu verstecken. Weiterhin sollte der Standort des Käfigs Raumtemperatur haben, trocken und zugluftgeschützt sein, also nicht direkt zwischen Türe und Fenster, am besten leicht erhöht (z.B. auf einem Tisch oder Regal). Da Ratten neugierige, an ihrer Umgebung sehr interessierte Tiere sind, ist es ideal, wenn das Rattenheim so steht, dass die Tiere am täglichen Familiengeschehen teilhaben können. Bei der Haltung im Kinderzimmer gibt es zu Bedenken, dass den Tieren nicht zu viel Lärm und Streicheleinheiten zugemutet werden.
Ratten sind absolute Nichtraucher und haben empfindliche Lungen, auf den Genuss von Zigaretten und anderen Tabakwaren muss in den Räumen, in denen Ratten wohnen, verzichtet werden.
Die Einrichtung
Ratten sind neugierig und verspielt, brauchen aber auch Raum, um sich auszuruhen. Ein Schlafhaus gehört als Versteck ebenso zur Grundausstattung wie Plattformen, Röhren, Seile, Leitern, Äste, Hängematten, etc. Ein Schlafhaus aus Holz hat den Vorteil, dass die Tiere daran ihre ständig nachwachsenden Nagezähne abnutzen können. Häuser aus Kunststoff lassen sich besser reinigen. Hängematten, z.B. aus alten Handtüchern gefertigt, werden gerne genutzt. Sandkisten zum Graben und Buddeln, im Käfig oder beim Freilauf zugängig, gestalten das Rattenheim attraktiver.
Trinkflaschen sollen eigentlich nicht genutzt werden. Bieten Sie lieber eine Wasserschale an, es ist für die Tiere natürlicher aus einer Schale zu trinken. Die Wasserschale sollte so schwer sein und fest angebracht werden, dass die Ratten sie nicht runterwerfen können. Nur wenn es gar nicht anders geht, sollten Trinkflaschen genutzt und gut am Käfig befestigt werden, aber doch leicht zum Auswechseln des Wassers rausgenommen werden können. Feste, schwere Futternäpfe, die nicht umgestürzt werden können und genug Platz bieten, damit alle Ratten problemlos gleichzeitig daran sitzen können, sind wichtig.
Nur der unterste Bereich im Gehege oder die Toiletten werden mit Einstreu versehen. Im Fachhandel werden viele Einstreuarten angeboten, die für Ratten geeignet sind, z.B. Hanfsteu, Maisstreu oder feines Buchenholzgranulat (nur die ganz feinen Sorten, grobe Granulate sind zu hart für die empfindlichen Füßchen) sowie Leinstreu (Euro Lin). Die normale Kleintierstreu staubt meist seht stark, viele Ratten vertragen das nicht besonders gut. Außerdem besteht sie häufig aus Nadelhölzern, deren ätherischen Öle die Atemwege reizen. Deshalb sollte so eine Einstreu nicht verwendet werden. Allergieratten können auch statt handelsüblicher Einstreu ausschließlich Papierschnipsel als Einstreu bekommen. Für die Toiletten eignet sich auch Spielsand, in dem die Ratten gerne buddeln. Etagen werden mit Zeitungspapier, Pappe oder Küchentüchern ausgelegt und sind so leicht zu reinigen und weicher für die empfindlichen Füße.
Heu und Stroh eignet sich als Einstreu nur eingeschränkt. Zwar knabbern manche Ratten gerne daran und bauen sich damit schöne Nester, allerdings sind die meisten Heuarten nicht geeignet. Schlecht gelagertes Heu, das vielleicht noch in Tüten verkauft wurde, ist häufig stark mit Schimmel belastet. Gut gelagertes, grünes und kräuterreiches Bioheu, welches heißluftgetrocknet wurde, ist hingegen durchaus geeignet, allerdings ist es nur schwer zu bekommen und sehr teuer. Grünes, getrocknetes Getreide (Hafer, Dinkel, Weizen) als Strohersatz macht den Tieren viel Spaß beim zerlegen, ist gutes Nistmaterial und manche fressen es auch.
Reinigung
Das gesamte Gehege sollte mindestens einmal die Woche komplett gereinigt werden. Dazu setzen Sie die Ratten vorübergehend in ihre Transportbox oder lassen sie frei laufen (aber Vorsicht, dabei landen sie schnell im Putzeimer oder unter und in der Streutüte). Auf keinen Fall sollten die Ratten zwischen den Reinigungsmitteln herum laufen.
Entfernen Sie die gesamte Einstreu aus dem Gehege. Wischen Sie alle Etagen mit heißem Wasser ab. Bei leichten Verschmutzungen können Sie etwas Seife oder Spülmittel in das Wasser geben. Urinflecken können mit Essigwasser oder Zitronensäure entfernt werden. In Wasser aufgelöstes Natron entfernt unangenehme Gerüche. Röhren und andere Spielgeräte sollten heiß abgespült oder zumindest ausgewischt werden. Wenn möglich, wird auch die Bodenwanne in der Dusche heiß abgebraust. Hängematten und Kuschelröhren sollten auch einmal die Woche ausgetauscht und gewaschen werden. Mindestens einmal im Monat werden auch die Gitter und Wände vom Gehege abgewaschen. Anschließend wird neu eingestreut und erst, wenn sich der Staub der Einstreu gelegt hat, dürfen die Ratten ihren Käfig wieder neu beziehen.
Ernährung
Viele Leckerlies, wie sie im Fachhandel angeboten werden, gehören absolut nicht zur tiergerechten Ernährung von Ratten. Knabberstangen, Joghurtdrops, Nagergebäck und ähnliche Knabbereien enthalten zu viel Zucker und sind in größeren Mengen nicht unbedingt empfehlenswert. Sie machen die Tiere dick, schädigen auf Dauer den Darm und die Backenzähne und sollten von daher nur sehr selten als besondere Belohnung gegeben werden. Gesunde Leckerchen sind Nüsse, Kerne, Trockenobst und hin und wieder ein Stück ungezuckertes Popcorn.
Der wichtigste Bestandteil des Rattenspeiseplans ist das Trockenfutter. Eine ausgewachsene Ratte benötigt etwa einen Esslöffel pro Tag. Ist der Napf schnell leer ohne, dass die Ratten das Futter bunkern, sollten Sie mehr Futter geben. Bunkern die Ratten sehr viel oder suchen sie sich nur die leckersten Bestandteile aus dem Futter heraus, sollten Sie weniger Futter geben. Im Zoofachhandel bekommen Sie geeignete Trockenfuttermischungen für Ratten. Vorsicht: Ratten und Mäuse sind nicht die gleichen Tiere! Eine Futtermischung für Ratten und Mäuse oder für „alle Nager” sollte Ihnen daher schon verdächtig vorkommen.
Füttern Sie Frischfutter 1 x am Tag, aber nur in solchen Mengen, dass es schnell verzehrt wird. Geben Sie nur kleine Portionen und vergewissern Sie sich, dass die Ratten Frischfutter nicht bunkern. Um Streit zu vermeiden, sollte aber pro Frischfutterart immer ein Stück mehr gereicht werden als Tiere im Gehege sind. Waschen Sie das Frischfutter vor dem Verfüttern gründlich.
Das Thema Ernährung ist eigentlich ein eigenes großes Kapitel und kann hier nicht ausführlich beschrieben werden. Bitte Informieren Sie sich daher eingehend bei Experten (z.B. im Tierheim) über die richtige Ernährung von Ratten.